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Mia, let me go!

 

 
Overview
 

Titel: Resident Evil 7
 
Publisher: Capcom
 
Preis: 57 € (Disc)
 
Sprache: Deutsch, Englisch & Weitere (Sprachausgabe)
 
Move: Nicht unterstützt
 
Action: ,
 
Wertung
9.5


User Rating
1 total rating

 

Positives


  • Der blanke Horror
  • Keine Motion Sickness
  • Sehr intensiv
  • Lange Spieldauer

Negatives


  • Kleinere Grafikprobleme
  • Keine Move-Unterstützung


Fazit

Schlicht und ergreifend das Beste, was VR derzeit zu bieten hat: Sofern man bereit ist, sich auf den Horror einzulassen

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Posted 31. Januar 2017 by

 
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TL;DR: Penny Arcade fasst Resident Evil in VR schon ganz gut zusammen:

Ich will ehrlich sein. Horrorfilme sind nicht so ganz meins. „Tanz der Teufel“ (before it was cool funny) hat mir in viel zu jungen Jahren Albträume beschert. Ich habe dann lange erst einmal einen weiten Bogen um das Genre gemacht. Erst Jahrzehnte später habe ich mich dann wieder an Filme wie „Ring“ oder das eher als Splatter-, denn Horrorgenre zu bezeichnende „Final Destination“ zur Gemüte geführt.

Albträume bekomme ich davon nun schon lange nicht mehr, aber so richtig wohl fühl ich mich dann auch nicht bei der Sache. So richtig mein Herz zum rasen hat dann erst wieder die VR geschafft. „Rush of Blood“ hat mich stellenweise schon derbe mitgenommen. Warum zum Teufel sollte ich mir dann ausgerechnet „Resident Evil“ in VR antun? Den Großvater des Horrorgenres der interaktiven Art?

Schlicht und ergreifend, weil es der erste Titel ist, der als vollwertiges AAA- Spiel in VR gelten kann. Endlich mal mehr als nur eine „Experience“. Und außerdem ließe sich das Spiel ja notfalls ganz ohne Brille spielen, sollte der Horror – oder die Motion Sickness – überhand nehmen.

Stimminge Einleitung

Also Brille auf und rein ins Vergnügen(?): Die Freundin „Mia“, seit drei Jahren verschwunden, gibt plötzlich ein Lebenszeichen von sich und lockt mich – Ethan – auf ein verlassenes Grundstück.

Die Einleitung wird film-reif inszeniert, waschecht in Form einer Leinwand. Erst einmal also kein VR. „Mia“ wirkt dabei etwas unspektakulär. Das Gesicht sieht einfach nicht natürlich genug aus. Spannenderweise funktioniert das bei durchgeknallten Psychos später deutlich besser. Keine Ahnung, warum.

Very, very frightning

Die buckelige Verwandschaft

Am Anwesen angekommen geht es dann in VR weiter. Man steigt aus dem Auto, erkundet die Landschaft und wird dort gleich von Krähen und blutverschmierten Sägescheiben begrüsst. Na danke!

In Sachen „Motion Sickness“, also die Übelkeit durch das ungewohnte Bewegen kann ich für meinen Teil komplette Entwarnung geben. Vermutlich ist es eine Kombination der vielen kleinen Tricks (langsame Laufgeschwindigkeit, eingeschränkte Sicht bei Extremaktionen oder stufenweises drehen), aber zu keinem Moment fühlte sich die Bewegung unangenehm an. Andere Spiele wie „RIGS“ haben mich da schon mehr belastet. Diese Tricks sind im übrigen allesamt abstellbar. Wer will kann also die Motion Sickness gleich mitbuchen im Hillbilly-Haus.

A propos: Ohne zu sehr zu spoilern wird das Anwesen von ein paar völlig durchgeknallten und ziemlich zähen Bewohnern genutzt, deren Umgangsformen nur noch von ihren Essgewohnheiten übertroffen werden. Die Bruchbude fühlt sich dabei sehr glaubwürdig an. Man meint fast das moderige Holz riechen zu können, wenn man durch das halb verfallene Anwesen schleicht. Wer will kann das sogar noch mit einer speziellen Duftkerze verstärken. Brauch ich nun wirklich nicht und als Valentinstagsgeschenk auch eher ungeeignet. Hält aber vielleicht Vertreter fern.

Während ich also größtenteils unsicher durch das Haus schleiche fühle ich ununterbrochen eine gewisse Beklommenheit. Es wird schnell klar, dass sämtliche Personen im Haus mir ans Leder wollen. Der Horror entsteht dabei nur in geringem Teil durch Jump Scares. Das plötzliche Anspringen in mein Gesicht hat mir bei Rush of Blood gefühlt ein paar Herzkasper verursacht. Bei Resident Evil werden sie nicht nur sparsamer eingesetzt, sie sind auch nicht so überraschend. Hier springt nicht völlig grundlos ein durchgeknalltes Mädel auf mich zu, sondern ich spüre schon vorher, dass etwas furchtbares passieren wird: Knarzende Holzdielen, leises Atmen, zuknallende Türen.

Didn’t mean to make you cry

Bei Anruf Mord

Das ist nicht „Final Destination“, das ist Hitchcock. Was es einerseits fairer macht, weil man sich darauf vorbereiten kann, andererseits aber auch fieser, weil man konstant in einem leichten Panikzustand ist: Lauert der Gegner hinter der Ecke? Lieber doch mal vorsichtig mit dem Kopf um den Tisch herumlugen anstatt einfach loszugehen. Denn die gruseligen Bewohner sind mir furchtbar überlegen. Auch kann ich die Gefahr nicht einfach wegballern: Schnell wird klar, dass ich mich eigentlich nur durch ein Katz- und Maus-Spiel retten kann. Und ich bin blöderweise die Maus. Und leider auch nicht Jerry, auch wenn meine Hauptwaffe hier der Grips und nicht die Knarre ist.

Überhaupt ist das Spiel super durchchoreografiert: Wenn man vor den wenigen Gegnern flüchtet kommt echter Stress auf. Und wenn man schließlich an einen Punkt kommt, der vorsieht, dass man sich nur durch Kampf retten kann, sind es nicht in erster Linie gute Reflexe, die mir helfen, sondern ein möglichst schnelles Erfassen der Umgebung. Und das obwohl das Zielen nach dem Motto „Schieße dorthin wo ich hinschaue“ perfekt funktioniert und deutlich präziser ist, als dies mit einem Gamepad oder sogar eine Maus jemals ginge.

Just killed a man

Mit dem Messer zur Schießerei

Bei den Boss-Kämpfen hilft das aber leider nur wenig, denn Kugeln sind für sie nicht viel schlimmer als ein lästiger Mückenstich. Auf den Gegner zu schießen bringt also fast nichts, wenn ich aber die Umgebung nutzen kann, ihn eine Falle zu locken…

Zwischenzeitlich gibt es dann auch ein paar Rätsel, um wieder etwas zu Atem zu kommen: Finde einen Schlüssel, knacke ein Schloss, bring eine Uhr zum laufen. Diese Elemente helfen, zu Atem zu kommen. Das ist jetzt nicht übermäßig fordernd, macht aber Spaß und jede Entspannung ist mehr als willkommen.

Spielerisch ist es eine angenehme Abwechslung, einmal nicht bis an die Zähne bewaffnet Gegnerhorden mit einer Railgun nieder zu mähen, sondern ständig auf der Flucht zu sein. Anders würde die Beklemmung von Resident Evil auch nicht funktionieren. Das „Mittendrin“-Gefühl eröffnet aber auch ein paar überraschende Probleme: Der klassische Fehler in Horrorfilmen, dass das Opfer nach einem erfolgreichen Kampf gegen das Böse einfach wegläuft lässt sich dort noch halbwegs mit „man, ist der blöd“ erklären. Wenn ich aber in VR einen Gegner bekämpft habe und er unfähig am Boden liegt, möchte ich eigentlich – noch halb in Panik – sicher stellen, dass er sich nie, aber auch nie wieder auf mich stürzt. In dem Moment wären mir alle Mittel recht. Nur: Ich kann es nicht.

Technisch gibt es auch ein paar kleine Probleme. So kann man – bei unglücklichen Perspektiven – schon mal seine Hände in der Luft schweben sehen und eine intuitivere Steuerung mit Move-Controllern hätte dem Spiel sicher auch gut getan: Meine Arme tatsächlich zur Abwehr hoch zu reißen, anstatt das durch einen simplen Tastendruck zu tun wäre noch einen Hauch authentischer gewesen. Teilweise muss man Capcom da natürlich in Schutz nehmen: Spätestens bei der Vorwärtsbewegung braucht man einen Controller; Mit Move fehlt der. Solange Sony also keine Kombi aus Move- und Navigationscontroller auf den Markt bringt muss man wohl einen der beiden Tode sterben (neben den vielen anderen im Spiel).

Ich hätte mir übrigens auch gewünscht, wenn ich mich beispielsweise in Pfützen spiegeln würde. Klar, eine Kleinigkeit, aber es reißt einen doch etwas aus der Immersion heraus.

No escape from reality

Amazon weiß Bescheid

Grafisch und vor allem Akustisch gibt es aber nichts zu meckern. Die Auflösung ist VR-Typisch nicht die höchste, aber die Welt fühlt sich echt an un das mindert das Spielerlebnis kein bisschen. Auch die deutsche Sprachausgabe ist hervorragend gelungen. Lediglich der Südstaaten-Hillbilly-Dialekt fehlt logischerweise. Die Spieldauer ist auch absolut in Ordnung, zu mal man nicht wirklich länger als ein, zwei Stunden am Stück spielen sollte. Ehrlicherweise bin ich noch nicht ganz durch, aber ich habe schon einige gruselige Abende hinter mich gebracht, Sicher kann man das Spiel auch schnell durchspielen, aber einfach mal ein paar Minuten in der Ecke zu sitzen und zu Atem zu kommen kann auch mal ganz wichtig sein.

Kurzum: Eigentlich wurde fast alles Richtig gemacht. Ein beklemmendes Horroradventure, dass die klassischen Resident Evil-Tugenden in die VR-Generation transportiert. Es gibt derzeit schlicht nichts Besseres für die PSVR. Wer sich also traut das Genre zu testen: Zugreifen. Und wer noch unschlüssig ist: Es gibt einige kostenlose Demos (z.B. das „Kitchen“-Demo) um mal vorsichtig reinzuschnuppern, ob man dem Horror gewachsen ist.