Kindheitserinnerungen an Gert Fröbe

 

 
Overview
 

Titel: I expect you to die
 
Publisher: Schell Games
 
Preis: 25$ (US-Store)
 
Sprache: Englisch
 
Move: Unterstützt
 
Puzzle: ,
 
Wertung
7.0


User Rating
no ratings yet

 

Positives


  • Perfektes VR-Gefühl
  • Tolle Stimmung
  • Sehr unterhaltend
  • Sprecher
  • Steuerung
  • Intro
  • Sehr gut designte Level

Negatives


  • Viel zu Kurz


Fazit

Die spaßigste VR-Erfahrung, die man derzeit haben kann. Nur leider auch eine der kürzesten.

0
Posted 11. Januar 2017 by

 
Full Article
 
 

Was für ein selten pfiffiger Titel: Jeder, der in den 80ern gebannt am Röhrenfernseher Sean Connery und Roger Moore beobachtet hat, wie sie im Auftrag ihrer Majestät die Welt vor – meist deutschen – Bösewichtern beschützen, hat sofort Goldfinger vor Augen, wie eine unnötig komplizierte Apparatur mittels Laser unseren Helden in Stücke schneiden soll. Es war die gute alte Zeit, als der Endgegner seinen kompletten Plan dem Helden offenbarte, um ihn möglichst raffiniert ins Jenseits zu befördern anstatt einfach nur kurz und schmerzlos (aber effektiv) die Sache zu erledigen. Denn die raffinierte Variante endete – SPOILER-ALARM! – immer damit, dass der Held doch überlebt, der Bösewicht aber nicht.

Allein der Titel erklärt eigentlich schon das ganze Spielprinzip: Vor dem geistigen Auge erscheint der beliebteste 00-Agent, ohne dass Publisher Schell Games auch nur einen Cent Lizenzgebühren zahlen muss. Das Intro verstärkt diesen Eindruck noch. Ich lege mich fest: Das beste VR-Intro aller Zeiten.

Gut: So groß ist die Auswahl nicht, aber dieses Gefühl, einen klassischen Bond in gerade mal vier Farben von „innen“ zu erleben macht überraschend viel Spaß. Die Atmosphäre wird so von Anfang an nahezu perfekt eingefangen. Der Gesang, der ebenfalls eklatant – und sicher nicht zufällig – an Goldfinger erinnert tut sein übriges um die Stimmung aufzubauen.

Da stellt sich natürlich die bange Frage, kann das Spiel das Erlebnis aufrecht halten? Zunächst einmal ohne Wenn und Aber: Ja. Das Spielgefühl ist vergleichbar mit „Arkham Knight“ oder „The Heist“, besitzt aber seinen völlig eigenen, comicartigen Stil. Es macht auch mal Spaß, sich einfach nur hinzusetzen und eine dicke Zigarre zu rauchen. Hinzu kommt ein hervorragender (englischer) Sprecher, der stets seine – vor Ironie nur so strotzenden – Kommentare zum Besten gibt.

Apropos: Die Entwickler scheinen an jede meiner noch so abstrusen Ideen gedacht zu haben. So gibt es oftmals mehrere Möglichkeiten eine Aufgabe zu lösen. Wie etwa eine Szene, wo man als Agent in spe von einem Laser attackiert wird. Die einfachste Lösung ist es sich einfach wegzuducken. Man kann aber auch ein Champagnerglas in den Laserstrahl stellen. Am befriedigendsten ist aber die Großkotz-Variante: Auch eine Zigarre im Mund kann den Laser blockieren und wird dann auch noch stilecht von eben diesem entzündet. Chapeau, Mr. Bond!

Die Steuerung erfolgt dabei am Besten mit zwei Move-Controllern, die sehr präzise reagieren. Ich hatte einmal nach Start des Spiels das Problem, dass meine Hände komplett in der Luft flogen, nach einem Neustart war das aber behoben und tauchte auch nicht erneut auf. Spielziel ist in den – leider viel zu wenigen Missionen – das klassische „Escape the Room“: Man muss mit den Dingen, die einem zur Verfügung stehen versuchen Sachen in der Umgebung so zu verändern, dass das Spiel erfolgreich beendet wird. Der Name ist dabei Programm: „I expect you to die“ hält viele Arten bereit, den Spieler um die Ecke zu bringen. Der bereits erwähnte Laser, Giftige Gase, Feuer, Ertrinken, Erschießen, eine Bombe, Bären mit Pfeil und Bogen, … – Ja! Bären mit Pfeil und Bogen!

Erfolgt das erwartbare Ableben des Spielers, so muss die aktuelle Mission von vorne neu gestartet werden; Automatische Speicherpunkte gibt es nicht. Da aber fast jede Todesart recht unterhaltsam ist und die Puzzles zwar etwas Nachdenken erfordern, keinesfalls aber unfair sind, tendiert der Frustfaktor hier gegen null. Zudem sind die einzelnen der vier Aufträge auch nicht übermäßig lang. Und das ist leider das größte Manko an diesem Spiel: Die Spieldauer ist furchtbar kurz. Wenn man es drauf anlegt ist man in wenigen Stunden durch. Und selbst wann man sich Zeit nimmt und alle Gags und versteckten Gimmicks zu entdecken ist man sicher nicht mehrere Wochen beschäftigt.

Wiederspielfaktor ist durchaus vorhanden, denn die verfügbaren Trophäen dienen nicht nur Sammlern, sondern machen auch Spaß zu erforschen. Sind allerdings auch die eingesammelt bleibt nicht übermäßig viel übrig: Zum Zeigen und Spielen mit Freunden, die bisher keine VR-Brille besitzen ist dies der perfekte Titel um Spaß zu haben, aber sich selbst mehrmals durch das Spiel zu arbeiten ist nicht übermäßig motivierend.

Und so habe ich eine unfaire Entscheidung zu treffen: Wie bewertet man so ein Spiel? In Sachen Coolness-Faktor kann vielleicht noch Batman mithalten, und humorvoller ist kein anderes Spiel. Auch beim Job Simulator hatte ich nicht ansatzweise so viel Spaß. Auf der Negativ-Seite ist dann die extrem kurze Spielzeit. Für die 25$ im US-Store bekommt man doch sehr wenig Spiel. Hätte der Titel lange Spieleabende im Angesicht des Todes zu bieten, wären hier 9 bis 10 Punkte fällig, in der jetzigen Form müssen wir da aber kräftig Punkte abziehen.

Man muss also für sich selbst entscheiden, ob einem der Preis zu hoch ist oder nicht. Etwas Zeit zum Nachdenken bleibt ja noch: Bisher ist das Spiel ausschließlich im US-Store erhältlich. Wann auch wir Deutschen das Spiel offiziell erleben dürfen, und ob dann eine deutsche Sprachausgabe erhältlich sein wird, können wir daher noch nicht beantworten.