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Schmutziger Spaß ganz ohne Spucktüte

 

 
Overview
 

Titel: Dirt Rally VR
 
Publisher: Codemasters
 
Preis: 40€ (Disk)
 
Sprache: Deutsch, Englisch, & weitere
 
Move: nicht unterstützt
 
Wertung
9.0


User Rating
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Positives


  • Bereits ohne VR bestes Rally-Game auf dem Markt
  • Komplett in VR spielbar
  • Kaum grafische Abstriche
  • Toller Sound
  • Abwechslungsreich

Negatives


  • Karrieremodus etwas mau


Fazit

Besser gehts nicht. Fast alle Kritikpunkte an Driveclub sind bei Dirt Rally perfekt gelöst: Die Grafik macht Laune, das Fahrgefühl ist toll. Und die Spucktüte kann im Flieger bleiben.

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Posted 19. Februar 2017 by

 
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Es ist gar nicht so lange her, da habe ich mein eigentlich heißgeliebtes DriveClub als „Trabant unter den Rennspielen“ in der VR-Version bezeichnet. Was also würde mit Dirt Rally passieren? Das derzeit mit großem Abstand beste Rally-Game auf der PlayStation 4. Das finden nicht nur wir, auch bei MetaCritic ist es mit 85% in die Top 20 der besten Spiele 2016 gelandet: Weit vor jedem anderen Autorennen.

Bevor wir also zum VR kommen, eine kleine Übersicht, was Dirt Rally so gut macht: In erster Linie ist es das Handling: Die verschiedenen Autos fühlen sich realistisch und angemessen unterschiedlich an. Ein Oldtimer verhält sich deutlich zickiger als ein modernes Fahrzeug und die unterschiedlichen Antriebsarten von Front- über Heck bis zum Allradantrieb reagieren glaubwürdig, was über- und untersteuern angeht.

Hinzu kommt eine sehr gute Grafik inklusive eines anständigen Schadensmodells: Nach ein paar Abflügen ist der Wagen reichlich zerknautscht, Frontalcrashs lassen das Kühlwasser deutlich sichtbar aus dem Motorraum verdampfen und wer einen Felsen knutscht muss den Rest der Strecke dann eben auf der Funken sprühenden blanken Felge absolvieren – furchtbare Steuerung inklusive. Und das alles bei 60 Frames pro Sekunde.

Besonders gut schlägt sich das Spiel übrigens im Sound: Die Motoren klingen phantastisch, das quietschen der Reifen ebenso, der Split klötert akustisch perfekt gegen das Chassis und das verbiegende Metall klang nie schöner.

An Fahrzeugen gibt es knapp 50 verschiedene Vehikel von den 70ern bis heute. Und selbst Fans von Fuchsschwänzen kommen da zu ihrem Recht: Der Opel Manta ist beispielsweise auch dabei. An Tracks gibt es noch einmal deutlich mehr Abschnitte im Repertoire. Alleine in Deutschland stehen 12 unterschiedliche Abschnitte zur Auswahl. Die Strecken sind vom Belag und Schwierigkeitsgrad sehr unterschiedlich. Eher selten ist man auf Asphalt unterwegs, schon eher auf Schotter oder sogar auf Schnee und Eis. Auch das Gefühl der Beläge ist sehr glaubwürdig.

Apropos Schwierigkeitsgrad: Der ist knackig, aber nicht unfair. Es ist eben kein reiner Arcade-Racer. Besonders bei den ersten Rennen ist es schon etwas frustrierend, ständig abzufliegen. Dabei ist es wichtiger auf die Ansagen des Beifahrers zu achten, der die Schärfe der nächsten Kurve im Zahlensystem von 1 (sehr spitz) bis 6(flach) bekannt gibt. Dazu noch ein paar Hinweise, wie Huckel oder dass man die folgende Kurve besser nicht schneiden sollte, weil ein paar Felsen im Weg liegen. Gerade in engen Waldetappen sind die Hinweise wesentlich hilfreicher als die eigene Sicht.

Kommen wir also zu den virtuellen Welten: Die können per DLC nachgekauft werden. Alternativ ist auch das ganze Spiel als Disc in der VR-Version erhältlich. Grafisch sind ein paar kleine Abstriche notwendig, so ist die Framerate eher bei 30 FPS, die sind aber konstant. Einige Effekte (z.B. Regen auf der Windschutzscheibe) sind weniger schick, den Videos auf YouTube zu urteilen, ist das mit der Pro allerdings nicht der Fall. So oder so ist das Grafik-Downgrade sehr moderat und nicht mit DriveClub zu vergleichen. In den bisher gut 10 gefahrenen Strecken habe ich keine Ruckler bemerkt auf der normalen PS4. Auch ist die Umgebung weiterhin animiert: Zuschauer bewegen sich weiterhin, am Rande stehende Windmühlen drehen sich im Wind, und so weiter. In Sachen „Motion Sickness“ ist Dirt Rallye positiv zu erwähnen. Bei sehr langen Fahrten kann nach einigen Stunden ein leichtes flaues Gefühl auftreten, aber wirklich übel wird einem nicht. Im Gegensatz zu DriveClub, welches vor allem bei Drehern und Crashs auf den Magen schlägt, merkt man bei Dirt Rallye, dass sich in Sachen VR einiges getan hat. Der Trick, der schon bei Resident Evil angewandt wurde, kommt auch hier zum Tragen: Wenn men böse den Hang herunterpoltert oder sonstwie crashed, wird das Sichtfeld oben und unten schwarz abgeblendet. Dadurch verlässt man zwar kurz die Immersion, aber dieser Kompromiss ist mir und meinem Magen sehr willkommen.

Was VR hier aber ausmacht, ist, dass das Spiel deutlich leichter wird. Ich hätte es vorher nicht erwartet, aber man bekommt ein deutlich besseres Gefühl für das Verhalten des Autos beim driften und abheben, als wenn man es nur zweidimensional spielt. (Getestet mit dem Gamepad). Auch wenn der „Popometer“ natürlich weiterhin fehlt. Vielleicht erfindet da ja mal jemand etwas 🙂

Wenn man denn will kann man sich während der Fahrt auch umschauen und etwa zusehen, wie der Co-Pilot immer wieder von seinem „Gebetsbuch“ aufschaut um aus dem Fenster zu blicken. Ein kleines, aber schönes Detail. Das nächste Detail gehört in die Kategorie „Bug“: Wenn man während des Spiels einfach aufsteht, wird man nicht vom Fahrzeugdach gebremst, sondern kann von oberhalb des Daches auf die Strecke schauen. Ein nicht sehr realtisches, aber witziges Hilfsmittel um über die folgende Kuppe zu schauen.

Als zusätzliches Gimmick wird durch VR der Beifahrer zum Mitspieler: Wer will kann es zu zweit spielen. Dann kommen die Ansagen nicht mehr von der Computer-KI, sondern die Informationen werden auf dem Fernseher dargestellt und der Mitspieler kann diese dem Fahrer dann mitteilen. Das ist bei weitem nicht so interessant wie das Spiel als Fahrer, aber extrem hilfreich, wenn man nach einer verpassten Kurve jemanden sucht, dem man die Schuld in die Schuhe schieben kann: Es kann nur an den zu späten Ansagen des Beifahrers liegen.

Nach Resident Evil gibt es nun also ein zweites Vollpreisspiel, dass man bedingungslos empfehlen kann. Dirt Rally macht deutlich, dass es sich auch für Publisher lohnt in VR zu investieren. Und zeigt DriveClub mal so richtig die Harke. Ich hatte ja nach DriveClub ehrlicherweise befürchtet, Autorennen und VR würde einfach nicht funktioneren. Dirt Rally beweist das Gegenteil und macht mir auch wieder Hoffnung für Gran Tourismo VR, welches leider nicht komplett in VR spielbar sein soll. Aber vielleicht schaut Kazunori Yamauchi sich ja Dirt noch einmal an, kopiert schamlos die Tricks gegen Motion Sickness und überdenkt sich das noch einmal.

Aber selbst dann wird es schwer für GT. Auf Schotter ist Dirt Rally derzeit das beste Spiel im Motorzirkus mit VR. Der Karrieremodus könnte etwas spektakulärer sein und das ein oder andere Auto vermisse ich schon noch, aber sonst macht Codemasters hier wirklich alles richtig.